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Neuss, 11:30 Uhr, 24° C – die Sonne lacht, Equi-Translations startet in den Messetag.

Unser Besuch auf der Equitana Open Air startet an der Ovalbahn, auf der den ganzen Tag die Wettbewerbe des Islandpferde Reiter- und Zuchtverbands (IPZV) stattfinden. Im Tölt ein bisschen warm werden und uns von den Pferden mit wallenden Mähnen mitreißen lassen. Nebenbei erklärt uns eine nette Zuschauerin von der Islandpferdegemeinschaft Reken die Details der Punktevergabe bei diesen Turnieren. Es ist wunderbar, aber es gibt noch so viel zu sehen. Wir beschließen, später noch einmal vorbei zu schauen.

Kaum sind wir ein paar Schritte gelaufen, entdeckt Jil schon den Infostand von Apego, von dem wir im Vorfeld schon gelesen hatten und wo wir direkt von Shari, einer ausgebildeten Apego-Trainerin, begrüßt werden.
„Apego“ ist Spanisch und bedeutet übersetzt „Verbundenheit“ - in diesem Fall geht es um eine vertrauensvolle Kommunikation und Verbundenheit zwischen Mensch und Pferd. Die beiden Horsemen Birger Gieske und Tony Lander haben gemeinsam die sog. EQS-Methodik (das Equine Quality System) entwickelt und verbinden virtuelles Lernen (Online-Lernplattform, Lernvideos, Apego-App) mit klassischem Training vor Ort. Sie unterstützen Reiter oder Pferdebesitzer dabei, ihre Pferde besser zu verstehen und eine echte Partnerschaft aufzubauen. Tolle Sache, finden wir. Die Show haben leider wir gerade verpasst, aber zum Glück gibt’s um 15:30 Uhr noch eine Vorführung.

Der nächste Stand zieht uns (zugegeben, vielleicht auch aufgrund der Mittagshitze) magisch an. „Pferdanziehungskraft“ - wie passend 🙂

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Mit Caro und Conny, den beiden Gründerinnnen und Horsemanship-Trainerinnen, stimmt die Chemie sofort. Nach einem netten Plausch an ihrem angenehm schattigen Stand lassen wir uns kurzerhand als Helferinnen für ihre Show einspannen und dürfen dafür sogar in den Backstage-Bereich. Wir verteilen bunte Luftballons, Wippen und Tonnen in den beiden Zirkeln und sind gespannt auf die Kunststücke, die Conny und Caro mit ihren wunderschönen Pferden, einem Welsh-Cob und einem Quarter-Mischling, gleich vorführen werden. Wer jetzt an Zirkuskunst denkt, liegt völlig falsch – beeindruckt sind wir aber trotzdem. Es ist, als sprächen Conny und Caro die Sprache ihrer Pferde: sie folgen ohne enges Zaumzeug oder scharfe Sporen einfach nur ihren Handzeichen und ihrer Körpersprache. Ohne vorher auf dem Showplatz geübt zu haben, ziehen die beiden Pferde im Gleichschritt elegante Kreise, lassen sich die Luftballons durch die Mähne pusten und balancieren auf der Wippe. Zum Abschluss geht es ganz ohne Murren brav in den Hänger.

Damit ist die Manege frei für die majestätischen Shire-Horses. Mit einer Widerristhöhe von durchschnittlich 1,80 m sind sie die größte Pferderasse der Welt und hinterlassen mächtig Eindruck. Moosbauer's Shire & Friends aus Viersen zeigen auch einen Hengst, der so vor geballter Kraft strotzt, dass man sich fragt, wie man als kleiner Mensch auf so ein Pferd noch Einfluss nehmen kann. Zum Glück handelt es sich aber bei den Kaltblütern um sehr sanftmütige und gesellige Giganten.

Nach den schweren Shire-Horses geht es etwas leichtfüßiger und exotischer weiter: Sehr interessiert verfolgen wir die Quadrille der Mangalarga Marchadores aus Brasilien. Sie sind wie die Islandpferde eine Gangpferderasse und laufen neben Schritt, Trab und Galopp noch in einem 4. Gang, dem „Marcha“. Robert Schmitt, der Besitzer des Gestüts Kreiswald in Hessen erzählt uns, wie ihm damals ein guter Freund den ersten Hengst dieser Rasse geschenkt hat. Heute stehen auf seinem Hof sowohl Isländer als auch Mangalarga Marchadores und er ist damit einer der wenigen Züchter, die diese brasilianische Pferderasse in Deutschland verkaufen, da seit 2013 aus gesundheitsrechtlichen Gründen keine Pferde mehr aus Brasilien in die EU eingeführt werden dürfen. Wie schön, dass wir auf der Equitana trotzdem die Gelegenheit bekommen, diese Rasse kennenzulernen.

Die Equitana zählt zu den wichtigsten Messen der Pferdebranche und füllt alle 2 Jahre das gesamte Messegelände in Essen. Das Open Air Event in Neuss in den Jahren dazwischen ist eine angenehme Abwechslung an der frischen Luft und bietet mit einem umfangreichen Showprogramm auf 6 Plätzen gute Unterhaltung für alle Pferdeliebhaber und Reitsportinteressierte.

Neben dem Bühnenprogramm gibt es viele interessante Stände mit nützlichen und schönen Dingen für PferdebesitzerInnen. So z.B. der Fellschön-Striegel, eine effiziente Weltneuheit für alle Vierbeiner im Fellwechsel. Der Striegel liegt angenehm in der Hand und die Vorderseite erinnert an ein kleines Sägeblatt. Dessen Zinken, erfahren wir, haken sich in den losen Haaren fest und ziehen sie heraus. Die Haarbüschel fallen ab, ohne dass man ständig den Striegel säubern müsste. Das kann den Fellwechsel deutlich erleichtern. Wenn die neue Sommerfrisur sitzt, kann der Sommer ja kommen. Wir decken uns natürlich gleich mit Bürsten für unsere Vierbeiner zuhause ein. Und ja, wir können schon sagen: es hat sich gelohnt!

Kurze Pause oder vielleicht gleich ein Reiturlaub gefällig? Gerne verweilen wir einen Moment am Stand von Ali A. Selzer, die Reiterreisen oder auch Reit-Safaris auf der ganzen Welt anbietet. Ich hatte schon auf der Hansepferd vor einem Monat den Reisekatalog mitgenommen und sehnsüchtig darin geblättert. So viele traumhafte Wanderritte auf allen Kontinenten, da weiß man gar nicht, wo man zuerst hinreisen... äh...reiten soll 🙂
''To ride a horse means to borrow freedom'' – diesem Motto folgt Ali Selzer quasi schon seit sie denken kann und blickt auf jahrelange Erfahrung und viele Reisen zurück, auf denen sie atemberaubende Begegnungen mit Tieren machte. Sie arbeitet ausschließlich mit Touranbietern zusammen, die sie persönlich auswählt und achtet dabei streng auf das Pferdewohl und Sicherheit von Tier und Reiter. „So einen Wanderritt bucht man nicht einfach im Online-Shop. Alle meine Gäste erhalten eine persönliche Reiseberatung, in der alle wichtigen Fragen gestellt werden und gemeinsam die passende Tour ausgewählt wird“, sagt Ali. Ausführliche Beratung ist ja wirklich wichtig... Wir hätte aber trotzdem am liebsten gleich alle Reisen auf einmal gebucht 🙂

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Apropos Pause, es ist Zeit für eine Stärkung. Neben Fressbuden für die Messebesucher sind auch einige Futtermittel-Hersteller für Vierbeiner auf der Equitana vertreten. Mit brandneuen Leckerli-Trends im Gepäck. Lakritze und Erdbeere zum Beispiel gehören zu den Geschmacksrichtungen der Saison, lerne ich am Stand von mifuma (Mischfutterwerke Mannheim). Allerdings nur in Norddeutschland, oberhalb des Lakritz-Äquators. Bayrischen Pferden braucht man mit den Lakritz-Leckerlis nicht vor der Nase herum wedeln, erzählt mit Fachberaterin Maike Dedek.

Jil wollte unbedingt noch bei „Wanderreiten in der Eifel“ vorbei schauen und trifft dort auf Rolf Roßbach, der ihr das sehr interessante Konzept von „Eifel zu Pferd“ erläutert. Rolf ist Vorsitzender dieses Verbunds von Wanderreitsstationen in der Eifel. Hier kann man mit eigenem Pferd anreisen und die von „Eifel zu Pferd“ erstellten Wanderreitkarten nutzen, um in dieser herrlichen Landschaft zu reiten – z.B. als Sternritte um eine Station herum oder als Tour „Auf alten Schmugglerpfaden“, „Wildromatische Südeifel“ oder „Tanz auf dem Vulkan“. Viele Stationen bieten aber auch Rittführung an, so dass man nicht mit Karten hantieren muss. Die Broschüre ist so gut gestaltet, dass man sofort das Pferd in den Hänger stellen möchte, um in die Eifel zu starten. Und dann sprachen wir noch über den Dachverband „Deutschland zu Pferd“, der die regionalen Pferdetourismusverbände zusammenfasst. Aber davon ein anderes Mal mehr.

 

Im Vorbeigehen sehen wir noch eine Vorstellung herrlicher Camargue-Pferde, die mit ihrem pudrigen weißen Fell an die Pferde erinnern, die man sich als Kind immer in Märchen vorgestellt hat. Auf einem anderen Platz die hochaufgerichteten Friesen in der Dressur, etwas weiter die Wettbewerbe im Western Trail, wo gerade ein hübsches Shetland Pony einen Parcours meistert. Es gibt so viel zu sehen, unser Tagesplan ist voll und doch zieht uns immer wieder eine der Shows in den Bann. Die Equitana Open Air hat viel zu bieten! Wir freuen uns auf das nächste Mal!